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Albertuszentrum

Amiodaron als Dauertherapie – welche Kontrollen sind notwendig?

Amiodaron gehört zu den wirksamsten Medikamenten zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen, insbesondere des Vorhofflimmerns. Gleichzeitig erfordert eine längerfristige Behandlung regelmäßige Kontrollen, da das Medikament nicht nur am Herzen, sondern unter anderem auch an Schilddrüse, Leber, Lunge und Augen Nebenwirkungen verursachen kann.

Dabei stellt sich in der Praxis häufig die Frage: Welche Untersuchungen sind tatsächlich notwendig? Muss beispielsweise regelmäßig die Amiodaron-Konzentration im Blut bestimmt werden?

Kontrolle des EKGs

Amiodaron beeinflusst die elektrische Erregungsbildung und Erregungsleitung des Herzens. Typischerweise kommt es zu einer Verlangsamung der Herzfrequenz und zu einer Verlängerung der Repolarisation und damit der QT-Zeit.

Bei einer Dauertherapie sollte deshalb regelmäßig ein 12-Kanal-EKG geschrieben werden. Bei einem stabil eingestellten Patienten bietet sich beispielsweise eine Kontrolle etwa alle drei Monate an.

Dabei sollten insbesondere beurteilt werden:

  • Herzrhythmus und Herzfrequenz (EKG)
  • PQ-Zeit
  • QRS-Dauer
  • QT- beziehungsweise QTc-Zeit
  • Auftreten höhergradiger AV-Blockierungen oder ausgeprägter Bradykardien

Besondere Aufmerksamkeit ist bei einer deutlichen QT-Verlängerung erforderlich. Eine QTc-Zeit über 500 ms sollte Anlass sein, die Medikation, Elektrolyte und mögliche Wechselwirkungen mit anderen QT-verlängernden Medikamenten kritisch zu überprüfen.

Muss der Amiodaron-Spiegel im Blut bestimmt werden?

Im Gegensatz beispielsweise zu Digoxin ist die regelmäßige Bestimmung eines Amiodaron-Serumspiegels bei einer stabilen Dauertherapie normalerweise nicht erforderlich.

Amiodaron besitzt besondere pharmakokinetische Eigenschaften. Das Medikament ist stark fettlöslich, verteilt sich in zahlreiche Gewebe und besitzt eine außerordentlich lange Halbwertszeit. Dadurch besteht keine ausreichend enge Beziehung zwischen der gemessenen Konzentration im Serum und der klinischen Wirksamkeit beziehungsweise dem Auftreten von Nebenwirkungen.

Eine Spiegelbestimmung kann in besonderen Situationen sinnvoll sein, beispielsweise bei Verdacht auf mangelnde Einnahme oder bei ungewöhnlichem Therapieversagen. Als routinemäßige Verlaufskontrolle ist sie jedoch nicht erforderlich.

Besonders wichtig: die Schilddrüse

Die Schilddrüse verdient unter Amiodaron besondere Aufmerksamkeit. Das Molekül enthält einen sehr hohen Anteil an Jod. Darüber hinaus beeinflusst Amiodaron unmittelbar den Schilddrüsenhormonstoffwechsel.

Es können sowohl eine Amiodaron-induzierte Hypothyreose als auch eine Amiodaron-induzierte Hyperthyreoseauftreten.

Vor Beginn einer längerfristigen Therapie sollte deshalb die Schilddrüsenfunktion bekannt sein. Sinnvoll sind zunächst:

TSH, fT4 und gegebenenfalls fT3.

Bei vorbestehender Schilddrüsenerkrankung kann eine weitergehende Diagnostik einschließlich Schilddrüsenantikörpern und gegebenenfalls Sonographie erforderlich sein.

Wie häufig sollte die Schilddrüse kontrolliert werden?

Bei einer stabilen Dauertherapie ist eine Kontrolle des TSH etwa alle sechs Monate ein praktikables Vorgehen. Eine erste Kontrolle kann bereits etwa drei bis sechs Monate nach Beginn der Therapie erfolgen.

Dabei ist es nicht unbedingt erforderlich, bei jeder Routinekontrolle gleichzeitig TSH, fT3 und fT4 zu bestimmen.

Bei normalem TSH und klinisch unauffälligem Patienten genügt in der Regel zunächst das TSH als Screeningparameter. Bei auffälligem TSH oder klinischem Verdacht auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung werden zusätzlich fT4 und gegebenenfalls fT3 bestimmt.

Eine Besonderheit muss dabei berücksichtigt werden: Amiodaron hemmt die Umwandlung von T4 in das biologisch aktivere T3. Deshalb kann unter Amiodaron das fT4 relativ hoch und das fT3 relativ niedrig sein, obwohl keine behandlungsbedürftige Schilddrüsenerkrankung vorliegt. Einzelne Laborwerte müssen daher immer im Zusammenhang beurteilt werden.

Auch die Leber sollte kontrolliert werden

Amiodaron kann zu einer Erhöhung der Transaminasen und in seltenen Fällen zu einer relevanten Leberschädigung führen.

Daher sollten unter einer Dauertherapie regelmäßig Leberwerte, insbesondere AST und ALT, kontrolliert werden. Ein sinnvolles Intervall ist auch hier etwa alle sechs Monate.

Elektrolyte nicht vergessen

Besonders bei Patienten, die zusätzlich Diuretika einnehmen, sollten Kalium und gegebenenfalls Magnesiumkontrolliert werden.

Eine Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie kann in Verbindung mit einer QT-Verlängerung das Risiko ventrikulärer Herzrhythmusstörungen erhöhen.

Was ist mit der Lunge?

Eine seltene, aber potenziell schwerwiegende Komplikation ist die Amiodaron-induzierte pulmonale Toxizität.

Neu auftretende Luftnot, trockener Husten, eine ungeklärte Einschränkung der Belastbarkeit oder auffällige pulmonale Befunde sollten deshalb unter einer Amiodarontherapie ernst genommen und zeitnah abgeklärt werden.

Je nach Situation können Röntgen-Thorax, Lungenfunktionsdiagnostik einschließlich Diffusionskapazität und gegebenenfalls eine Computertomographie erforderlich werden.

Ein praktikables Kontrollschema

Für einen klinisch stabilen Patienten unter langfristiger Amiodarontherapie kann beispielsweise folgendes Schema verwendet werden:

KontrolleMögliches Intervall
12-Kanal-EKG mit Herzfrequenz, PQ, QRS und QT/QTcetwa alle 3 Monate
TSHetwa alle 6 Monate
fT4/fT3bei auffäligem TSH oder klinischem Verdacht
Leberwerteetwa alle 6 Monate
Kalium, ggf. Magnesiumregelmäßig bzw. abhängig von Begleitmedikation
Amiodaron-Serumspiegelroutinemäßig nicht erforderlich
Pulmonale Diagnostikbei klinischem Verdacht bzw. entsprechend individuellem Kontrollkonzept

Fazit

Amiodaron ist ein hochwirksames Antiarrhythmikum, verlangt aber eine strukturierte Langzeitüberwachung.

Für einen stabilen Patienten unter Dauertherapie lässt sich die Kontrolle vergleichsweise einfach organisieren: regelmäßiges 12-Kanal-EKG, etwa halbjährliche Kontrolle von TSH und Leberwerten sowie besondere Aufmerksamkeit für pulmonale Symptome.

Die routinemäßige Bestimmung eines Amiodaron-Serumspiegels bietet dagegen in der Regel keinen zusätzlichen Nutzen.

Entscheidend ist letztlich nicht eine möglichst große Zahl von Laboruntersuchungen, sondern eine konsequente klinische und elektrokardiographische Überwachung und das frühzeitige Erkennen möglicher Organnebenwirkungen.

Mit Unterstützung von KI erstellt.

jpo