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Percussion Pacing – wenn der Faustschlag zum vorübergehenden Herzschrittmacher wird

Die Percussion-Stimulation, auch Percussion Pacing, Fist Pacing oder Fauststimulation genannt, ist eine heute nur noch selten eingesetzte Form der mechanischen Herzstimulation. Dabei werden rhythmische Schläge mit der geschlossenen Faust auf den Brustkorb ausgeübt. Die dabei auf das Herz übertragene mechanische Energie kann unter bestimmten Bedingungen eine elektrische Depolarisation des Myokards auslösen und damit einen QRS-Komplex erzeugen.

Die Methode klingt zunächst archaisch. Sie hat jedoch einen realen elektrophysiologischen Hintergrund und wird auch in den ERC-Reanimationsleitlinien 2025 weiterhin als mögliche kurzfristige Überbrückungsmaßnahme erwähnt. Ihre Wirksamkeit ist allerdings nicht zuverlässig belegt, und sie darf eine rasch verfügbare elektrische Schrittmachertherapie nicht verzögern. (ERC⁠)

Wie funktioniert Percussion Pacing?

Ein ausreichend kräftiger mechanischer Impuls auf die Brustwand kann über eine mechanisch induzierte Veränderung des Membranpotenzials eine Depolarisation des Ventrikelmyokards auslösen.

Im EKG zeigt sich dann unmittelbar nach dem Schlag ein QRS-Komplex mit anschließender T-Welle.

Damit liegt zunächst eine elektrische Capture vor.

Das bedeutet allerdings noch nicht, dass auch eine ausreichende mechanische Herzaktion zustande kommt. Entscheidend ist deshalb, ob der ausgelöste QRS-Komplex von einer mechanischen Capture begleitet wird – beispielsweise erkennbar an einem tastbaren Puls, einer arteriellen Druckwelle oder einer entsprechenden echokardiographischen Kontraktion.

Ein QRS-Komplex allein beweist also noch kein ausreichendes Herzzeitvolumen.

Wann kann Percussion Pacing sinnvoll sein?

Die wichtigste Situation ist eine akute hämodynamisch relevante Bradyarrhythmie, bei der eine elektrische Schrittmacherstimulation nicht unmittelbar zur Verfügung steht.

Die ERC-Leitlinien 2025 formulieren hierzu ausdrücklich: Bei einem hämodynamisch instabilen Patienten mit Bradyarrhythmie kann Percussion Pacing als Überbrückung zur elektrischen Stimulation versucht werden, wenn eine transthorakale Schrittmacherstimulation nicht unmittelbar verfügbar ist. Die Schläge werden rhythmisch mit der geschlossenen Faust am linken unteren Sternalrand mit einer Frequenz von etwa 50–70/min ausgeführt. (ERC⁠)

Eine denkbare Situation ist beispielsweise:

Ein Patient entwickelt nach einer elektrischen Kardioversion eine ausgeprägte Bradykardie oder einen vorübergehenden ventrikulären Stillstand. Der Defibrillator ist zwar vorhanden, für das transkutane Pacing müssen aber zunächst die entsprechenden Klebeelektroden angeschlossen beziehungsweise das Gerät umgerüstet werden.

Wenn in dieser kurzen Zwischenphase durch rhythmische Faustschläge reproduzierbar QRS-Komplexe und – noch wichtiger – eine mechanische Kreislaufantwort erzeugt werden können, kann Percussion Pacing eine Brücke von wenigen Sekunden oder Minuten bis zur elektrischen Schrittmacherstimulation darstellen.

Asystolie ist nicht gleich Asystolie

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem ventrikulären Stillstand bei fortbestehender Vorhofaktivität und einer echten vollständigen Asystolie.

Sind im EKG weiterhin P-Wellen vorhanden, aber keine QRS-Komplexe, besteht beispielsweise bei einem kompletten AV-Block grundsätzlich die Möglichkeit, den Ventrikel durch Pacing zu stimulieren.

Die ERC-Leitlinien empfehlen deshalb bei vermeintlicher Asystolie ausdrücklich, sorgfältig nach P-Wellen zu suchen.

Bei einer echten Asystolie ohne P-Wellen soll dagegen keine Schrittmachertherapie versucht werden, da dadurch weder das kurz- noch das langfristige Überleben verbessert wird. In dieser Situation gelten die üblichen Reanimationsmaßnahmen. (ERC⁠)

Wann ist Percussion Pacing notwendig?

Streng genommen ist Percussion Pacing praktisch nie die definitive Therapie.

Es ist eine Notfall-Überbrückung, wenn gleichzeitig drei Bedingungen vorliegen:

  1. Es besteht eine lebensbedrohliche Bradyarrhythmie beziehungsweise ein geeigneter ventrikulärer Stillstand.
  2. Der Patient benötigt dringend eine Stimulation.
  3. Eine transkutane oder transvenöse elektrische Schrittmacherstimulation steht in diesem Moment noch nicht unmittelbar zur Verfügung.

Sobald ein elektrisches Pacing möglich ist, sollte auf dieses Verfahren gewechselt werden.

Bei einer instabilen symptomatischen Bradykardie empfiehlt der ERC grundsätzlich eine elektrische Schrittmachertherapie, wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist. Die transkutane Stimulation dient dabei als Überbrückung zur gegebenenfalls notwendigen transvenösen Stimulation. (ERC⁠)

Wann sollte man Percussion Pacing nicht durchführen?

Bei echter Asystolie ohne erkennbare P-Wellen ist eine Schrittmacherstimulation nicht erfolgversprechend und soll nicht durchgeführt werden. (ERC⁠)

Ebenso darf Percussion Pacing bei einem Patienten im Kreislaufstillstand nicht die leitliniengerechte kardiopulmonale Reanimation verzögern oder ersetzen. Die Evidenz für einen Nutzen der Methode ist insgesamt schwach. Eine systematische Untersuchung der verfügbaren Literatur konnte keinen gesicherten Überlebensvorteil zeigen. (Wiederbelebungsrat UK⁠)

Auch darf Percussion Pacing niemals eine unmittelbar verfügbare transkutane oder transvenöse Stimulation verzögern.

Nicht mit dem präkordialen Faustschlag verwechseln

Percussion Pacing und der klassische präkordiale Faustschlag verfolgen unterschiedliche Ziele.

Beim präkordialen Faustschlag wird ein einzelner kräftiger mechanischer Impuls eingesetzt, um unter sehr speziellen Bedingungen eine unmittelbar beobachtete ventrikuläre Tachyarrhythmie zu terminieren.

Beim Percussion Pacing werden dagegen wiederholt und rhythmisch mechanische Impulse gegeben, um einzelne ventrikuläre Depolarisationen zu erzeugen und damit vorübergehend die Funktion eines Herzschrittmachers zu übernehmen.

Percussion Pacing ist also keine mechanische Defibrillation.

Elektrische Capture reicht nicht aus

Wenn nach jedem Faustschlag im EKG reproduzierbar ein QRS-Komplex mit T-Welle erscheint, ist dies ein eindrucksvoller Hinweis darauf, dass die mechanische Energie tatsächlich eine ventrikuläre Depolarisation ausgelöst hat.

Für die Behandlung des Patienten ist aber eine zweite Frage entscheidend:

Erzeugt dieser QRS-Komplex auch eine wirksame systolische Kontraktion?

Deshalb sollte – soweit in der akuten Situation möglich – parallel nach einer mechanischen Capture gesucht werden:

Faustschlag → QRS-Komplex → Puls beziehungsweise arterielle Druckwelle.

Erst diese Abfolge zeigt, dass das Percussion Pacing tatsächlich einen hämodynamischen Effekt erzielt.

Besonderheit nach elektrischer Kardioversion

Eine besonders interessante Anwendung kann die unmittelbar nach einer elektrischen Kardioversion auftretende schwere Bradykardie oder ein passagerer ventrikulärer Stillstand sein.

Gerade bei Patienten mit vorbestehender Sinusknotendysfunktion oder höhergradiger Störung des Reizleitungssystems kann nach Beendigung einer Tachyarrhythmie vorübergehend eine ausgeprägte Bradykardie auftreten.

Wenn eine elektrische Stimulation nicht sofort zur Verfügung steht und durch rhythmische mechanische Stimulation reproduzierbar QRS-Komplexe mit mechanischer Kreislaufantwort erzeugt werden können, kann Percussion Pacing die sehr kurze Zeit bis zur transkutanen Schrittmacherstimulation überbrücken.

Für geplante Kardioversionen bei Patienten mit entsprechendem Risiko ist es deshalb sinnvoller, bereits im Vorfeld sicherzustellen, dass eine transkutane Schrittmacherstimulation ohne relevante Verzögerungmöglich ist.

Fazit

Percussion Pacing ist kein historischer Mythos. Ein mechanischer Schlag auf die Brustwand kann tatsächlich eine elektrische Depolarisation des Herzens auslösen.

Sein Einsatzgebiet ist heute jedoch sehr eng begrenzt.

Es handelt sich um eine kurzfristige Überbrückungsmaßnahme bei einer lebensbedrohlichen Bradyarrhythmie, wenn eine elektrische Schrittmacherstimulation nicht unmittelbar verfügbar ist. Besonders interessant kann dies bei einem plötzlich auftretenden ventrikulären Stillstand mit noch vorhandener elektrischer Erregbarkeit des Myokards sein.

Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen elektrischer Capture und mechanischer Capture. Ein durch den Faustschlag ausgelöster QRS-Komplex beweist die elektrische Erregung des Ventrikels – erst eine gleichzeitig nachweisbare Puls- oder Druckwelle zeigt, dass daraus auch eine hämodynamisch wirksame Herzkontraktion entstanden ist.

Percussion Pacing sollte daher als das verstanden werden, was es ist: ein mechanischer Notfallschrittmacher für eine sehr kurze Übergangsphase – nicht als Ersatz für die elektrische Schrittmachertherapie.

Erstellt mit Unterstützung von KI

jpo