Elektrokardioversion bei Vorhofflimmern
Die Elektrokardioversion ist ein Verfahren, mit dem man Vorhofflimmern durch einen kontrollierten Stromimpuls wieder in einen normalen Sinusrhythmus überführen kann.
Dabei wird das Herz nicht „neu gestartet“ wie im Film, sondern der elektrische Impuls soll die chaotische elektrische Aktivität im Vorhof gleichzeitig beenden, damit der normale Herzrhythmus wieder die Kontrolle übernehmen kann.
Ablauf einer Elektrokardioversion
1. Vorbereitung
Vor der Kardioversion wird geprüft:
- Seit wann besteht das Vorhofflimmern?
- Besteht ein Schlaganfallrisiko?
- Werden Blutverdünner eingenommen?
Wichtig:
Wenn das Vorhofflimmern länger als etwa 48 Stunden besteht oder der Beginn unklar ist, muss meist vorher eine ausreichende Antikoagulation erfolgen, weil sich Blutgerinnsel im linken Vorhof bilden können. Sonst könnte durch die Rhythmusnormalisierung ein Schlaganfall ausgelöst werden.
Häufig wird deshalb:
- mindestens 3 Wochen vorher blutverdünnt
oder - eine transösophageale Echokardiographie (Schluckecho) durchgeführt, um Gerinnsel auszuschließen.
2. Kurznarkose
Die Elektrokardioversion erfolgt normalerweise in einer kurzen Sedierung oder Kurznarkose:
- der Patient schläft wenige Minuten,
- spürt den Stromstoß nicht,
- atmet meist selbstständig.
3. Elektroden/Paddles
Klebepads oder Elektroden werden auf Brustkorb und manchmal Rücken aufgeklebt.
4. Synchronisierter Stromstoß
Das Gerät gibt einen kurzen elektrischen Impuls ab, synchronisiert mit dem Herzschlag.
Der Stromstoß dauert nur Millisekunden.
5. Kontrolle
Danach wird sofort überprüft:
- ob wieder Sinusrhythmus besteht,
- wie Puls und Blutdruck sind,
- ob Komplikationen auftreten.
Anschließend überwacht man den Patienten noch für einige Stunden.
Erfolgsrate
Die Erfolgsaussichten sind oft gut:
- bei frischem Vorhofflimmern häufig über 80–90 %,
- bei lang bestehendem Vorhofflimmern geringer.
Allerdings kann Vorhofflimmern später erneut auftreten.
Risiken
Die Methode ist insgesamt sehr sicher, mögliche Risiken sind aber:
- Schlaganfall (deshalb die Blutverdünnung),
- kurze Rhythmusstörungen,
- Hautreizungen durch die Elektroden,
- selten Komplikationen der Sedierung.
Wann macht man eine Elektrokardioversion?
Zum Beispiel bei:
- Beschwerden durch Vorhofflimmern,
- Luftnot,
- Leistungsminderung,
- Herzrasen,
- jüngeren oder aktiven Patienten,
- erstmaligem Vorhofflimmern.
Nicht immer ist eine Rhythmusnormalisierung sinnvoll. Manchmal genügt auch eine Frequenzkontrolle mit Medikamenten.
Unterschied zur Defibrillation
Die Elektrokardioversion:
- erfolgt geplant,
- synchronisiert,
- bei stabilem Patienten.
Eine Defibrillation:
- erfolgt notfallmäßig,
- unsynchronisiert,
- z. B. bei Kammerflimmern oder Herzstillstand.