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Albertuszentrum

Eine Vene zur injektion finden oder einen venösen Zugang legen, darf das ein Problem sein?

Eine periphere Venenverweilkanüle – umgangssprachlich häufig einfach „Braunüle“ genannt – gehört zu den alltäglichsten Instrumenten der Medizin. Bei gut gefüllten und geradlinig verlaufenden Venen ist ihre Anlage meist unkompliziert. Ganz anders sieht es bei älteren Patienten, niedrigem Blutdruck, Flüssigkeitsmangel oder grundsätzlich sehr feinen Venen aus.

Dann sind die Venen am Handrücken häufig klein, kollabiert und geschlängelt. Gerade in dieser Situation entscheidet nicht unbedingt die am besten sichtbare Vene über den Erfolg. Viel wichtiger ist ein ausreichend langes und möglichst gerades Venensegment, in das sich der Kunststoffkatheter sicher vorschieben lässt.

Sichtbar bedeutet nicht automatisch gut punktierbar

Am Handrücken verlaufen zahlreiche oberflächliche Venen. Sie sind häufig hervorragend sichtbar und erscheinen deshalb zunächst als ideale Punktionsstelle.

Das kann täuschen.

Insbesondere bei älteren Menschen sind diese Gefäße häufig dünn, sehr beweglich und geschlängelt. Man trifft die Vene mit der Punktionsnadel, sieht den gewünschten Blutrückfluss – und trotzdem lässt sich die Braunüle anschließend nicht vorschieben.

Eine häufige Ursache dafür ist eine Gefäßkurve oder eine unmittelbar folgende Venenverzweigung. Der Kunststoffkatheter stößt dort gegen die Gefäßwand. Gewalt ist in dieser Situation grundsätzlich die falsche Lösung. Sie erhöht lediglich die Gefahr einer Gefäßverletzung und einer paravenösen Lage.

Der Blutrückfluss ist noch nicht das Ende der Punktion

Ein wichtiger technischer Punkt wird leicht unterschätzt: Sobald Blut in der Rückflusskammer erscheint, befindet sich die Spitze der Punktionsnadel im Gefäß. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass auch die Spitze des darüberliegenden Kunststoffkatheters bereits vollständig im Venenlumen liegt.

Wird jetzt sofort versucht, den Kunststoffkatheter vorzuschieben, kann dieser an der Gefäßwand hängen bleiben.

Deshalb wird nach dem Blutrückfluss der Punktionswinkel weiter abgeflacht und das System vorsichtig noch wenige Millimeter vorgeschoben. Erst anschließend wird der Kunststoffkatheter über die Nadel in die Vene vorgeschoben.

Gerade bei sehr kleinen und oberflächlichen Venen kann dieser kleine technische Unterschied über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Kleine Vene – kleine Braunüle

Bei schwierigen Venenverhältnissen ist die größtmögliche Kanüle nicht automatisch die beste.

Für viele intravenöse Medikamentengaben oder gewöhnliche Infusionen reicht eine 22-G-Kanüle vollkommen aus. Bei ausgesprochen kleinen Gefäßen kann auch eine 24-G-Kanüle sinnvoll sein.

Entscheidend ist, dass die Größe der Kanüle zur Vene und zum vorgesehenen Einsatz passt.

Die „Anästhesistenvene“ an der radialen Seite

Eine besonders interessante Alternative zum Handrücken findet sich an der Daumenseite des Handgelenks beziehungsweise am distalen radialen Unterarm. Umgangssprachlich wird eine dort verlaufende oberflächliche Vene gelegentlich als „Anästhesistenvene“ bezeichnet.

Anatomisch handelt es sich typischerweise um einen Abschnitt des oberflächlichen Venennetzes in Richtung der Vena cephalica.

Diese Punktionsstelle hat mehrere Vorteile: Die Vene verläuft häufig geradliniger als die kleinen Venen auf dem Handrücken, sie lässt sich durch Spannen der Haut gut stabilisieren und die Beweglichkeit der Finger wird durch die Braunüle kaum beeinträchtigt.

Bei schwierigen Venenverhältnissen kann eine unscheinbare, aber gerade verlaufende Vene an dieser Stelle deshalb wesentlich besser geeignet sein als eine deutlich sichtbare, jedoch stark geschlängelte Handrückenvene.

Natürlich muss auch hier die Anatomie berücksichtigt werden. In der Region verlaufen die Arteria radialis und sensible Nervenäste. Eine oberflächliche Struktur sollte deshalb vor der Punktion eindeutig als Vene identifiziert werden.

Und wenn am Handgelenk nichts zu finden ist?

Dann bleibt häufig die Ellenbeuge.

Hier finden sich mit Vena mediana cubiti, Vena cephalica und Vena basilica meist deutlich größere Gefäße. Selbst bei Patienten, bei denen die kleinen Handvenen kaum noch punktierbar erscheinen, lässt sich in der Ellenbeuge häufig noch problemlos ein intravenöser Zugang herstellen.

Für eine einmalige intravenöse Medikamentengabe oder wenn schnell ein zuverlässiger venöser Zugang benötigt wird, kann die Ellenbeuge deshalb eine sehr gute Wahl sein.

Für länger laufende Infusionen hat sie allerdings einen entscheidenden Nachteil: Der Zugang liegt in unmittelbarer Nähe eines stark bewegten Gelenks.

Beugt der Patient den Arm, kann der Katheter abknicken oder mit seiner Spitze gegen die Gefäßwand gedrückt werden. Typischerweise läuft die Infusion bei gestrecktem Arm problemlos und stoppt bei Beugung des Ellenbogens.

Für längerfristige Zugänge ist deshalb ein gerades Venensegment am Unterarm meist angenehmer.

Wärme und richtige Lagerung helfen

Kleine kollabierte Venen lassen sich häufig deutlich verbessern, bevor überhaupt punktiert wird.

Der Arm kann etwas unter Herzniveau gelagert werden. Wärme erweitert die oberflächlichen Gefäße und verbessert ihre Füllung. Auch eine angemessene venöse Stauung hilft.

Dabei gilt allerdings nicht immer „viel hilft viel“. Bei sehr empfindlichen Gefäßen ist eine moderate Stauung oft günstiger als maximaler Druck.

Vor allem sollte man eine Vene nicht nur betrachten, sondern palpieren. Eine geeignete Vene fühlt sich elastisch an, lässt sich komprimieren und besitzt möglichst über mehrere Zentimeter einen geraden Verlauf.

Nicht gegen Widerstand arbeiten

Lässt sich eine Braunüle trotz Blutrückfluss nicht vorschieben, sollte man niemals versuchen, sie mit Kraft in das Gefäß hineinzudrücken.

Auch bei einer bereits liegenden Kanüle gilt: Schmerzen, Brennen, zunehmende Schwellung oder ein ungewöhnlicher Widerstand beim Spülen sind Warnzeichen.

Eine Infusion darf nicht deshalb mit höherem Druck weitergeführt werden, weil sie zuvor problemlos gelaufen ist. Eine ursprünglich korrekt liegende Braunüle kann durch Bewegung des Arms oder Manipulation am Zugang ihre Position verändern.

Ultraschall statt immer neuer Punktionsversuche

Bei wirklich schwierigen Venenverhältnissen hat sich die ultraschallgestützte Punktion peripherer Venen zu einer wertvollen Alternative entwickelt.

Statt wiederholt kleine, kaum tastbare Gefäße zu punktieren, kann eine geeignete Vene am Unterarm sonographisch dargestellt und gezielt punktiert werden.

Dabei gibt es allerdings eine Besonderheit: Je tiefer die ausgewählte Vene liegt, desto länger muss in der Regel auch der intravasal liegende Anteil des Katheters sein. Eine sehr kurze Braunüle kann zwar zunächst korrekt in einer tiefer gelegenen Vene liegen, bei Bewegung jedoch leichter wieder aus dem Gefäß herausrutschen.

Fazit

Bei schwierigen Venenverhältnissen ist die auffälligste Vene nicht unbedingt die beste Vene.

Eine kleine, aber geradlinig verlaufende Vene kann für eine Braunüle wesentlich geeigneter sein als eine große, deutlich sichtbare, aber stark geschlängelte Vene am Handrücken.

Als praktische Orientierung gilt:

Handrücken: gut geeignet, wenn eine ausreichend gerade Vene vorhanden ist.

Radialer distaler Unterarm („Anästhesistenvene“): häufig eine sehr gute Alternative bei kleinen oder geschlängelten Handrückenvenen.

Ellenbeuge: häufig große und gut punktierbare Venen und deshalb hervorragend für einen rasch benötigten Zugang oder eine kurzfristige intravenöse Therapie – für länger laufende Infusionen aufgrund der Gelenkbewegung weniger günstig.

Ultraschall: eine ausgezeichnete Alternative, wenn oberflächliche Venen nicht zuverlässig punktierbar sind.

Am Ende ist für eine erfolgreiche Venenpunktion weniger entscheidend, wie beeindruckend eine Vene aussieht. Entscheidend sind ihr Verlauf, ihre Füllung, ihre Fixierbarkeit und vor allem die Frage, ob genügend gerades Gefäß vorhanden ist, um den Kunststoffkatheter sicher intravasal zu platzieren.

Mit Unterstützung von KI erstellt.

jpo