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Narzissmus und Herz – ist eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ein Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit?

Bei den klassischen Risikofaktoren für eine koronare Herzkrankheit (KHK) denken wir zunächst an erhöhtes LDL-Cholesterin, Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes mellitus, Übergewicht und Bewegungsmangel. Doch seit vielen Jahren wissen wir, dass auch die Psyche und insbesondere chronischer psychosozialer Stress Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System haben können.

Damit stellt sich eine interessante Frage: Kann auch eine narzisstische Persönlichkeitsstörung das Risiko für eine koronare Herzkrankheit erhöhen?

Die kurze Antwort lautet: Ein direkter Zusammenhang ist bisher nicht ausreichend bewiesen. Indirekte Zusammenhänge sind jedoch durchaus plausibel.

Narzissmus ist nicht gleich narzisstische Persönlichkeitsstörung

Zunächst muss unterschieden werden. Narzisstische Eigenschaften kommen in unterschiedlicher Ausprägung bei vielen Menschen vor. Selbstbewusstsein, Ehrgeiz, das Streben nach Anerkennung oder ein gewisser Stolz sind für sich genommen keine Erkrankung.

Von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) spricht man erst bei einem überdauernden Muster bestimmter Persönlichkeitsmerkmale, das zu relevanten Problemen im zwischenmenschlichen, beruflichen oder persönlichen Bereich führt.

Auch innerhalb des Narzissmus gibt es erhebliche Unterschiede. Neben eher grandiosen Ausprägungen werden vulnerable Formen beschrieben, bei denen beispielsweise eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Kritik, Zurückweisung oder Kränkung im Vordergrund stehen kann.

Was sagt die Forschung zum Herzrisiko?

Für einige psychische und psychosoziale Faktoren ist inzwischen gut belegt, dass sie mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängen können. Dazu gehören unter anderem Depressionen, chronischer Stress und soziale Isolation.

Für Narzissmus beziehungsweise die narzisstische Persönlichkeitsstörung speziell ist die Datenlage dagegen wesentlich dünner.

In einer prospektiven Untersuchung mit einer Nachbeobachtung über mehr als zwei Jahrzehnte fand sich zwar ein Zusammenhang zwischen bestimmten Persönlichkeitsstörungen und kardiovaskulären Ereignissen. Für narzisstische Persönlichkeitsmerkmale allein ließ sich jedoch kein statistisch gesicherter Zusammenhang mit der Sterblichkeit an koronarer Herzkrankheit nachweisen.

Auch andere Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit Persönlichkeitsstörungen insgesamt häufiger an körperlichen Erkrankungen einschließlich kardiovaskulärer Erkrankungen leiden können. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass eine narzisstische Persönlichkeitsstörung selbst eine Arteriosklerose verursacht.

Narzissmus ist daher nach heutigem Kenntnisstand kein etablierter unabhängiger KHK-Risikofaktor.

Trotzdem gibt es einen interessanten möglichen Zusammenhang

Entscheidend könnte weniger die Persönlichkeitsdiagnose selbst als vielmehr die Frage sein, wie häufig und wie intensiv ein Mensch Stress erlebt und darauf reagiert.

Bestimmte narzisstische Persönlichkeitszüge können beispielsweise mit einer ausgeprägten Reaktion auf Kritik, Statusverlust, Zurückweisung oder zwischenmenschliche Konflikte einhergehen.

Experimentelle Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass bei bestimmten Menschen mit ausgeprägteren narzisstischen Merkmalen die körperliche Stressreaktion stärker ausfallen kann. So wurde beispielsweise eine verstärkte Ausschüttung des Stresshormons Cortisol beobachtet.

Das bedeutet noch nicht, dass diese Menschen zwangsläufig eine koronare Herzkrankheit entwickeln. Es zeigt aber einen möglichen Mechanismus, über den Persönlichkeit und Herz-Kreislauf-System miteinander verbunden sein könnten.

Was macht chronischer Stress mit dem Herzen?

Akuter Stress ist zunächst eine völlig normale körperliche Reaktion. Sympathikus und Stresshormone versetzen den Organismus kurzfristig in erhöhte Leistungsbereitschaft.

Problematisch kann es werden, wenn diese Aktivierung sehr häufig oder dauerhaft besteht.

Chronischer psychosozialer Stress kann unter anderem mit folgenden Veränderungen verbunden sein:

  • Aktivierung des sympathischen Nervensystems und der Stresshormonachsen
  • Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck
  • ungünstigen Veränderungen von Stoffwechsel und Glukoseregulation
  • Veränderungen inflammatorischer Prozesse
  • Schlafstörungen
  • vermehrtem Rauchen oder Alkoholkonsum
  • weniger Bewegung und ungünstiger Ernährung
  • schlechterer Medikamentenadhärenz

Damit könnte Persönlichkeit das Herzrisiko indirekt beeinflussen.

Der Unterschied ist entscheidend

Es wäre wissenschaftlich nicht korrekt zu sagen:

„Narzissmus verursacht eine koronare Herzkrankheit.“

Nach heutigem Kenntnisstand lässt sich vielmehr sagen:

Bestimmte mit einer Persönlichkeitsstruktur verbundene Stress- und Verhaltensmuster könnten Faktoren begünstigen, die ihrerseits das kardiovaskuläre Risiko erhöhen.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Ein Mensch mit narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen, der nicht raucht, einen normalen Blutdruck und Stoffwechsel hat, sich regelmäßig bewegt und mit Stress gut umgehen kann, muss keineswegs ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko haben.

Umgekehrt kann chronischer psychosozialer Stress auch bei Menschen ohne jede Persönlichkeitsstörung kardiovaskulär relevant sein.

Persönlichkeit gehört zum Gesamtbild des Patienten

In der modernen Kardiologie betrachten wir deshalb zunehmend nicht nur Cholesterin, Blutdruck und Blutzucker.

Auch Schlaf, körperliche Aktivität, Ernährung, psychische Belastungen und das soziale Umfeld können für die langfristige Herzgesundheit bedeutsam sein.

Bei ausgeprägter chronischer Stressbelastung kann es deshalb sinnvoll sein, neben der konsequenten Behandlung klassischer Risikofaktoren auch Strategien zur Stressreduktion, ausreichend Schlaf und regelmäßige körperliche Bewegung in den Mittelpunkt zu stellen. Bei erheblicher psychischer Belastung kann zudem professionelle psychotherapeutische oder psychiatrische Unterstützung sinnvoll sein.

Fazit

Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist nach derzeitigem Forschungsstand kein etablierter eigenständiger Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit.

Dennoch gibt es plausible Verbindungen zwischen Persönlichkeit, chronischem Stress und Herz-Kreislauf-System. Entscheidend dürften dabei weniger die diagnostische Bezeichnung „Narzissmus“ als vielmehr die daraus möglicherweise resultierenden Stressreaktionen und Verhaltensweisen sein.

Für die Herzgesundheit zählt deshalb am Ende nicht das Persönlichkeitslabel, sondern das tatsächliche Risikoprofil: Blutdruck, LDL-Cholesterin, Rauchen, Diabetes, Bewegung, Ernährung, Schlaf – und auch der Umgang mit chronischem Stress.

Dieser Beitrag dient der medizinischen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.

Mit Unterstützung von KI erstellt.

jpo