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Herzgesunde Ernährung: Warum ein Kardiologe über das Kochen schreibt

Wer meinen Blog regelmäßig liest, findet hier nicht nur Beiträge über Vorhofflimmern, Bluthochdruck, Cholesterin, Herzinsuffizienz oder moderne kardiologische Diagnostik. Fast täglich erscheint auch ein Gericht, das ich selbst gekocht habe: frischer Fisch, viel Gemüse, Olivenöl, Kartoffeln oder Pasta, Knoblauch, Kräuter und Gewürze – möglichst aus frischen und wenig verarbeiteten Zutaten.

Mancher mag sich fragen: Was haben solche Rezepte auf dem Blog eines Kardiologen zu suchen?

Meine Antwort ist einfach: Sehr viel.

Herzmedizin beginnt nicht erst mit Medikamenten

Als Kardiologe behandle ich täglich die Folgen von Erkrankungen, die über Jahrzehnte entstehen: arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht und schließlich Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz.

Wir verfügen heute über hervorragende Medikamente und interventionelle Behandlungsmöglichkeiten. Statine und andere Lipidsenker können das LDL-Cholesterin drastisch reduzieren, moderne Antihypertensiva kontrollieren den Blutdruck, und mit Katheterverfahren können wir verschlossene Herzkranzgefäße wieder eröffnen oder Herzklappen behandeln.

Aber Prävention beginnt wesentlich früher – unter anderem auf unserem Teller.

Ich möchte nicht nur sagen, was man nicht essen soll

Ernährungsberatung besteht häufig aus Verboten: weniger Zucker, weniger Wurst, weniger Fertiggerichte, weniger gesättigte Fette, weniger Salz.

Das mag medizinisch begründet sein, macht aber wenig Lust auf eine Veränderung der Ernährung.

Ich möchte deshalb einen anderen Weg gehen und zeigen, was man stattdessen essen kann.

Ein Stück frischer Fisch mit gedämpftem Gemüse und Kartoffeln, eine mediterrane Fischpfanne mit Tomaten und Paprika oder Pasta mit Meeresfrüchten, Knoblauch, Peperoni und gutem Olivenöl sind keine „Diätgerichte“. Es sind Gerichte, die in erster Linie gut schmecken sollen.

Dass sie gleichzeitig zu einer herzbewussten Ernährung passen können, ist ein erfreulicher Nebeneffekt.

Möglichst wenig hochverarbeitete Lebensmittel

Ein weiterer Grund für meine Rezepte ist die zunehmende wissenschaftliche Diskussion über hochverarbeitete Lebensmittel – sogenannte Ultra-Processed Foods oder UPF.

Unsere Ernährung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Ein immer größerer Anteil besteht aus industriell hergestellten Produkten, die mit der ursprünglichen Zutat teilweise nur noch wenig gemeinsam haben.

Ich möchte mit meinen Gerichten das Gegenteil zeigen.

Eine Tomate bleibt eine Tomate. Eine Kartoffel bleibt eine Kartoffel. Fisch bleibt Fisch. Hinzu kommen beispielsweise Olivenöl, Knoblauch, Zitrone, Fenchel, Peperoni oder frische Kräuter.

Man muss Lebensmittel nicht industriell zerlegen und anschließend wieder zusammensetzen, um etwas Schmackhaftes auf den Teller zu bringen.

Warum so häufig Fisch?

Dass auf meinem Blog besonders häufig Fisch und Meeresfrüchte auftauchen, ist kein Zufall.

Fisch liefert hochwertiges Eiweiß, und insbesondere fettreiche Fischarten sind wichtige Quellen der langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Gleichzeitig lässt sich Fisch hervorragend mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Kartoffeln und Olivenöl kombinieren.

Damit nähert man sich automatisch einem Ernährungsmuster an, das viele Elemente der mediterranen Ernährung enthält.

Dabei geht es mir nicht darum, jeden Tag Fisch als medizinische Vorschrift zu präsentieren. Meine Rezepte sollen vielmehr Anregungen sein und zeigen, wie vielfältig eine Küche mit frischen Zutaten sein kann.

Olivenöl darf dabei eine Hauptrolle spielen

Wer meine Rezepte verfolgt, wird außerdem feststellen, dass ich mit Olivenöl nicht gerade sparsam umgehe.

Auch das hat einen Hintergrund. In einer mediterran orientierten Ernährung ist Olivenöl nicht lediglich ein Mittel zum Braten, sondern ein wesentliches Lebensmittel. Es ersetzt insbesondere einen Teil tierischer Fette und bringt vor allem einfach ungesättigte Fettsäuren sowie – bei hochwertigem nativem Olivenöl extra – zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe mit.

Entscheidend bleibt natürlich die Gesamtenergiebilanz. Auch Olivenöl liefert rund 9 kcal pro Gramm. „Gesund“ bedeutet deshalb nicht automatisch „unbegrenzt“.

Gemüse nicht als Dekoration

Ebenso wichtig ist mir das Gemüse.

Brokkoli, Fenchel, Paprika, Tomaten, Pak Choi, Rosenkohl oder Chicorée sind in meinen Gerichten keine kleine Beilage am Tellerrand. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Mahlzeit.

Gemüse liefert Ballaststoffe, Kalium, Vitamine und zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe. Gleichzeitig erhöht ein großer Gemüseanteil die Vielfalt der Ernährung.

Und auch hier gilt: Gesundes Essen muss deshalb keineswegs langweilig sein. Knoblauch, Peperoni, Fenchelsaat, Zitronenschale und andere Gewürze können aus wenigen Grundzutaten völlig unterschiedliche Gerichte entstehen lassen.

Mancher mag sich fragen: Kann man jeden Tag Frisch kochen und das, obwohl man vollbeschäftig eine kardiologische Praxis führt?

Ja, das kann man, weil herzgesundes Kochen wenig Zeit erfordert, sogar weniger Zeit als aus Essen zugehen und ein Fertigessen aufzuwärmen.

Kochen ist gelebte Prävention

Für mich besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen theoretischer Ernährungsberatung und dem eigenen Kochen.

Es ist leicht, einem Patienten zu sagen: „Sie sollten sich mediterraner ernähren.“

Aber was bedeutet das am Dienstagabend um 19 Uhr?

Genau hier setzen meine Rezepte an. Ich möchte zeigen, dass man aus wenigen guten Zutaten ein vollständiges Essen zubereiten kann – ohne Fertigsauce, Geschmacksverstärker oder eine lange Zutatenliste auf einer Verpackung.

Die Gerichte auf diesem Blog sind deshalb keine theoretischen Ernährungsvorschläge aus einem Lehrbuch. Ich habe sie selbst gekocht, gegessen und fotografiert.

Genuss und Prävention sind keine Gegensätze

Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft dieser Rubrik.

Eine herzbewusste Ernährung sollte keine zeitlich begrenzte Diät sein, die man einige Wochen widerwillig durchhält. Ernährung begleitet uns unser ganzes Leben. Deshalb muss sie schmecken.

Eine Ernährungsweise, die gesundheitlich hervorragend wäre, aber keinen Genuss bereitet, dürfte langfristig für viele Menschen wenig praktikabel sein.

Mediterranes Kochen zeigt besonders schön, dass sich beides miteinander verbinden lässt: frische Lebensmittel, ernährungsphysiologisch günstige Zutaten und Freude am Essen.

Warum diese Rezepte also auf einem kardiologischen Blog stehen

Weil moderne Kardiologie für mich nicht an der Praxistür endet.

Wir sollten Erkrankungen nicht nur behandeln, wenn sie bereits entstanden sind. Wir sollten auch darüber sprechen, was jeder Einzelne im Alltag für seine Herz-Kreislauf-Gesundheit tun kann.

Dazu gehören Bewegung, Nichtrauchen, ein vernünftiges Körpergewicht, die Behandlung von Bluthochdruck und erhöhtem LDL-Cholesterin – und eben auch die Ernährung.

Deshalb finden Sie auf meinem Blog neben EKGs, Echokardiographie, Medikamenten und kardiologischen Studien immer wieder meine Küche.

Nicht weil aus einem Kardiologen plötzlich ein Koch geworden ist, sondern weil gutes Essen ein Teil guter Prävention sein kann.

Und vielleicht ist ein Teller mit frischem Fisch, Gemüse, Kartoffeln, Amalfi-Zitrone, Knoblauch und Olivenöl manchmal anschaulicher als zehn Seiten Ernährungsleitlinie.

jpo