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Die Trikuspidalklappe – vom „vergessenen“ Herzventil zur modernen Kathetertherapie

Eine undichte Trikuspidalklappe ist heute behandelbar

Die Trikuspidalklappe liegt zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer. Sie verhindert, dass während der Kontraktion der rechten Herzkammer Blut zurück in den rechten Vorhof fließt.

Eine relevante Undichtigkeit dieser Herzklappe – die Trikuspidalinsuffizienz – wurde lange Zeit vergleichsweise wenig beachtet. Häufig wurde sie als Begleiterscheinung anderer Herzerkrankungen angesehen und hauptsächlich mit entwässernden Medikamenten behandelt.

Das hat sich grundlegend geändert.

Heute wissen wir, dass eine schwere Trikuspidalinsuffizienz eine eigenständige prognostische Bedeutung besitzt. Gleichzeitig stehen inzwischen verschiedene kathetergestützte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die 2025 veröffentlichten europäischen Leitlinien haben deshalb den Stellenwert der interventionellen Therapie deutlich aufgewertet. (OUP Academic⁠)

Was passiert bei einer Trikuspidalinsuffizienz?

Bei einer schweren Trikuspidalinsuffizienz fließt während jedes Herzschlags ein erheblicher Teil des Blutes aus der rechten Herzkammer zurück in den rechten Vorhof.

Langfristig können sich rechter Vorhof und rechte Herzkammer vergrößern. Gleichzeitig steigt der Druck im venösen Kreislauf.

Typische Folgen sind:

  • verminderte Belastbarkeit und Luftnot
  • Wassereinlagerungen in den Beinen
  • Gewichtszunahme durch Flüssigkeit
  • Halsvenenstauung
  • Flüssigkeit im Bauchraum, sogenannter Aszites
  • Leberstauung
  • Verschlechterung der Nierenfunktion

Eine schwere Trikuspidalinsuffizienz ist mit einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz und Sterblichkeit verbunden. (OUP Academic⁠)

Warum entsteht die Undichtigkeit?

Nur bei einem kleineren Teil der Patienten ist die Klappe selbst primär erkrankt. Sehr viel häufiger handelt es sich um eine sekundäre Trikuspidalinsuffizienz.

Dabei erweitern sich rechter Vorhof, rechte Herzkammer und insbesondere der Klappenring. Die eigentlich normalen Klappensegel können dadurch nicht mehr ausreichend miteinander schließen.

Häufig findet man diese Situation bei Vorhofflimmern, pulmonaler Hypertonie, Linksherzerkrankungen oder einer Erweiterung und Funktionsstörung der rechten Herzkammer.

Eine besondere Gruppe bilden Patienten mit Herzschrittmacher- oder ICD-Sonden. Hier muss geklärt werden, ob eine Sonde lediglich durch die Trikuspidalklappe verläuft oder tatsächlich deren Funktion beeinträchtigt. (OUP Academic⁠)

T-TEER – die Klappe wird mit einem Clip repariert

Das derzeit am besten etablierte kathetergestützte Reparaturverfahren ist die Transcatheter Tricuspid Edge-to-Edge Repair – kurz T-TEER.

Über eine Vene wird ein Katheter bis zum Herzen vorgeschoben. Mit einem speziellen Implantat werden geeignete Bereiche der Trikuspidalklappensegel miteinander verbunden. Dadurch wird die Öffnung verkleinert, durch die das Blut zurückströmt.

Das Prinzip ähnelt der inzwischen seit vielen Jahren etablierten kathetergestützten Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz.

Zu den hierfür verwendeten Systemen gehören beispielsweise TriClip und PASCAL.

Randomisierte Studien wie TRILUMINATE und Tri.Fr haben gezeigt, dass die Behandlung die Trikuspidalinsuffizienz deutlich reduzieren und insbesondere Beschwerden und Lebensqualität verbessern kann. Im längerfristigen Verlauf wurden zudem weniger Herzinsuffizienz-Hospitalisationen beobachtet. (PubMed Central (PMC)⁠)

Die wichtige Neuigkeit 2026: TRIC-I-HF

Besondere Aufmerksamkeit haben die auf dem ESC-Kongress 2026 vorgestellten Ergebnisse der deutschen TRIC-I-HF-DZHK24-Studieerhalten.

Untersucht wurden Patienten mit symptomatischer schwerer Trikuspidalinsuffizienz und erhöhtem Herzinsuffizienzrisiko.

Die Patienten erhielten entweder eine kathetergestützte Trikuspidalklappenreparatur zusätzlich zur medikamentösen Behandlung oder ausschließlich eine medikamentöse Therapie.

Dabei zeigte sich ein klinischer Vorteil der interventionellen Behandlung: Neben einer Verbesserung der Lebensqualität wurden auch Gesamtsterblichkeit und Hospitalisationen wegen Herzinsuffizienz im kombinierten klinischen Endpunkt günstig beeinflusst. Damit erweitern diese Ergebnisse die bisher vor allem auf Symptomatik und Lebensqualität beruhende Evidenz für die Kathetertherapie. (Nature⁠)

Das ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der interventionellen Trikuspidalklappentherapie.

Wenn ein Clip nicht ausreicht: eine neue Trikuspidalklappe per Katheter

Nicht jede Trikuspidalklappe lässt sich sinnvoll mit einem Clip behandeln.

Sind beispielsweise die Klappensegel sehr weit voneinander entfernt oder besteht ein ausgeprägtes Tethering, kann eine Reparatur technisch schwierig oder nicht ausreichend wirksam sein.

Inzwischen besteht deshalb bei ausgewählten Patienten die Möglichkeit eines kompletten kathetergestützten Trikuspidalklappenersatzes – TTVR.

Ein Beispiel hierfür ist das EVOQUE-System.

Der Vorteil ist eine ausgesprochen effektive Beseitigung der Undichtigkeit. Der Eingriff ist allerdings komplexer und geht unter anderem mit einem höheren Blutungsrisiko und einem relevanten Risiko für die Notwendigkeit einer Schrittmacherimplantation einher. Die Auswahl des geeigneten Patienten ist deshalb besonders wichtig. (PubMed Central (PMC)⁠)

Welcher Patient kommt für eine Katheterbehandlung infrage?

Nach den aktuellen europäischen Leitlinien sollte eine interventionelle Trikuspidalklappenbehandlung insbesondere bei Patienten erwogen werden, bei denen eine schwere symptomatische Trikuspidalinsuffizienz trotz optimaler medikamentöser Behandlung besteht und gleichzeitig ein erhöhtes Operationsrisiko vorliegt.

Voraussetzung ist insbesondere, dass noch keine schwere irreversible Funktionsstörung der rechten Herzkammer und keine ausgeprägte präkapilläre pulmonale Hypertonie vorliegen. Die Empfehlung besitzt inzwischen die Klasse IIa bei Evidenzgrad A. (PubMed Central (PMC)⁠)

Nicht zu lange warten

Genau hier findet derzeit wahrscheinlich der wichtigste Wandel statt.

Früher wurden Patienten mit einer Trikuspidalinsuffizienz häufig über Jahre mit immer höheren Dosen entwässernder Medikamente behandelt. Erst bei ausgeprägten Ödemen, Aszites sowie Nieren- und Leberfunktionsstörungen wurde über einen Eingriff nachgedacht.

Dann kann es jedoch bereits zu spät sein.

Ist die rechte Herzkammer schwer und irreversibel geschädigt, lässt sich durch die Reparatur der Klappe möglicherweise kein ausreichender Nutzen mehr erzielen.

Die aktuellen ESC/EACTS-Leitlinien betonen deshalb ausdrücklich eine frühzeitige Beurteilung der rechtsventrikulären Funktion und des pulmonalen Drucks sowie die rechtzeitige Vorstellung geeigneter Patienten in einem spezialisierten Heart Valve Centre. (PubMed Central (PMC)⁠)

Welche Untersuchungen sind erforderlich?

Entscheidend ist zunächst eine sorgfältige Echokardiographie.

Dabei werden nicht nur das Ausmaß der Undichtigkeit, sondern auch die Größe und Funktion der rechten Herzkammer, der Klappenring und die einzelnen Klappensegel beurteilt.

Für die Entscheidung über eine Katheterbehandlung interessieren insbesondere:

Lage des Regurgitationsjets – Abstand der Klappensegel – Beweglichkeit und Tethering der Segel – Funktion des rechten Ventrikels – pulmonaler Druck – und eventuell vorhandene Schrittmacher- oder ICD-Sonden.

Diese anatomischen Faktoren entscheiden letztlich auch darüber, ob eher eine Reparatur mittels T-TEER oder ein kathetergestützter Klappenersatz infrage kommt. (OUP Academic⁠)

Fazit

Die Trikuspidalklappe ist längst nicht mehr die „vergessene Herzklappe“.

Moderne Katheterverfahren ermöglichen heute auch bei älteren Patienten und bei erhöhtem Operationsrisiko eine wirksame Behandlung einer schweren Trikuspidalinsuffizienz.

Dabei gilt zunehmend:

Nicht erst behandeln, wenn die rechte Herzkammer irreversibel geschädigt ist.

Ein Patient mit schwerer Trikuspidalinsuffizienz, zunehmender Luftnot, Ödemen, steigendem Diuretikabedarf oder wiederholten Dekompensationen sollte deshalb frühzeitig daraufhin untersucht werden, ob eine interventionelle Behandlung möglich und sinnvoll ist.

Die neuen Daten aus dem Jahr 2026 sprechen dafür, dass es dabei nicht mehr ausschließlich um eine Verbesserung von Beschwerden und Lebensqualität geht. Bei sorgfältig ausgewählten Patienten könnte die Behandlung auch relevante klinische Ereignisse wie erneute Krankenhausaufnahmen und Tod reduzieren. (Nature⁠)

Erstellt mit Unterstützung von KI.

jpo