Finerenon – vom Nierenschutz zur Therapie der Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion
Finerenon (Kerendia®) ist ein relativ neuer Vertreter der Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA). Im Gegensatz zu Spironolacton und Eplerenon handelt es sich um einen nichtsteroidalen, selektiven Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten. Durch die Blockade des Mineralokortikoid-Rezeptors werden unter anderem entzündliche und fibrotische Prozesse in Herz und Niere gehemmt. (European Medicines Agency (EMA))
Bekannt wurde Finerenon zunächst durch die FIDELIO-DKD-Studie
Der entscheidende Schritt in die klinische Medizin erfolgte zunächst nicht über die Herzinsuffizienz, sondern über die diabetische Nierenerkrankung.
In der großen Phase-III-Studie FIDELIO-DKD wurden 5.734 Patienten mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung untersucht. Finerenon reduzierte gegenüber Placebo das Risiko einer relevanten Verschlechterung der Nierenfunktion bzw. eines Nierenversagens. Gleichzeitig zeigte sich ein günstiger Effekt auf kardiovaskuläre Ereignisse.
Ergänzt wurden diese Ergebnisse durch die FIGARO-DKD-Studie, in der insbesondere die kardiovaskulären Endpunkte im Vordergrund standen. Auch hier zeigte Finerenon einen klinischen Vorteil, insbesondere durch eine Reduktion von Herzinsuffizienz-Ereignissen. (European Medicines Agency (EMA))
Damit war erstmals deutlich geworden, dass Finerenon nicht nur ein „Nierenmedikament“ ist, sondern relevante Wirkungen auf das kardiovaskuläre System besitzt.
Zulassung in Deutschland
Die EU-weite Zulassung von Kerendia erfolgte am 16. Februar 2022. Die ursprüngliche Indikation war die chronische Nierenerkrankung bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und Albuminurie. (European Medicines Agency (EMA))
In Deutschland kam Finerenon am 1. Oktober 2022 auf den Markt. (AMK Ärzteschaft)
Damit stand erstmals ein nichtsteroidaler MRA zur Verfügung, der speziell für Patienten mit diabetischer chronischer Nierenerkrankung untersucht worden war.
Der nächste Schritt: FINEARTS-HF
Für die Kardiologie besonders interessant wurde Finerenon durch die FINEARTS-HF-Studie.
Untersucht wurden rund 6.000 Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz und einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von mindestens 40 %. Damit umfasste die Studie sowohl Patienten mit leicht eingeschränkter Pumpfunktion (HFmrEF) als auch Patienten mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF).
Finerenon reduzierte gegenüber Placebo den kombinierten Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod und sich verschlechternder Herzinsuffizienz. Über eine mittlere Behandlungsdauer von etwa 28 Monaten trat ein entsprechendes Ereignis bei rund 21 % der mit Finerenon behandelten Patienten gegenüber rund 24 % unter Placebo auf. (European Medicines Agency (EMA))
Damit war erstmals für einen nichtsteroidalen Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten ein überzeugender Phase-III-Nachweis bei Herzinsuffizienz mit einer LVEF ≥40 % gelungen.
Seit 2026 auch für Herzinsuffizienz zugelassen
Auf Grundlage von FINEARTS-HF wurde die europäische Zulassung erweitert.
Am 29. Januar 2026 sprach sich der Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA (CHMP) für die neue Indikation aus. (European Medicines Agency (EMA))
Im März 2026 erfolgte schließlich die EU-Zulassung für:
Erwachsene Patienten mit symptomatischer chronischer Herzinsuffizienz und einer LVEF ≥40 %. (Bayer)
Damit umfasst die zugelassene Herzinsuffizienz-Indikation sowohl die HFmrEF als auch die HFpEF.
Was bedeutet das für die Behandlung der HFpEF?
Gerade bei der HFpEF waren die medikamentösen Möglichkeiten lange Zeit enttäuschend. Mit den SGLT2-Hemmern konnte erstmals eine überzeugende prognostische Therapie etabliert werden. Finerenon erweitert nun die therapeutischen Möglichkeiten um einen zweiten pathophysiologisch interessanten Ansatz: die Blockade des Mineralokortikoid-Rezeptors.
Besonders attraktiv erscheint dies bei Patienten, bei denen Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie und chronische Nierenerkrankung gemeinsam auftreten – eine in der Praxis ausgesprochen häufige Konstellation.
Allerdings bleibt die Hyperkaliämie eine wichtige Nebenwirkung. Kalium und Nierenfunktion müssen daher vor und während der Behandlung kontrolliert werden. (European Medicines Agency (EMA))
Fazit
Finerenon hat eine bemerkenswerte Entwicklung genommen:
FIDELIO-DKD → Nierenschutz bei Diabetes → FIGARO-DKD → kardiovaskulärer Schutz → FINEARTS-HF → eigenständige Herzinsuffizienztherapie.
Seit 2026 ist Finerenon in der EU nicht mehr ausschließlich ein Medikament für die diabetische Nierenerkrankung. Es ist nun auch ausdrücklich zur Behandlung der symptomatischen chronischen Herzinsuffizienz mit einer LVEF ≥40 % zugelassen.
Damit ist Finerenon insbesondere für die HFpEF und HFmrEF zu einem neuen Baustein der medikamentösen Therapie geworden.
Mit Unterstützung von KI erstellt.
jpo