Terminvergabe: 02161 5 670 670 Herzinsuffizienz-Hotline: 0175 3337310

Albertuszentrum

Das Ruhe-EKG – Elektrokardiogramm

Das Ruhe-EKG – ein Klassiker der Kardiologie mit unverändert großer Bedeutung

Das Ruhe-EKG (Elektrokardiogramm) gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Basisuntersuchungen in der Kardiologie. Die Untersuchung ist schnell durchgeführt, vollkommen schmerzfrei und kommt ohne Strahlenbelastung aus. Trotz moderner Verfahren wie Echokardiographie, Langzeit-EKG, Kardio-CT oder Kardio-MRT hat das klassische 12-Kanal-EKG seinen hohen Stellenwert bis heute behalten.

Was misst ein EKG?

Bei jedem Herzschlag breitet sich eine elektrische Erregung über den Herzmuskel aus. Diese sehr kleinen Spannungsänderungen können über Elektroden an Armen, Beinen und Brustkorb abgeleitet und als Kurven dargestellt werden.

Das standardmäßige 12-Kanal-EKG betrachtet die elektrische Aktivität des Herzens aus unterschiedlichen Richtungen. Für den Kardiologen entsteht dadurch ein charakteristisches Bild der Erregungsbildung und Erregungsausbreitung im Herzen.

Beurteilt werden unter anderem:

  • Herzfrequenz und Herzrhythmus
  • Ursprung der elektrischen Erregung
  • AV-Überleitung
  • Erregungsausbreitung in den Herzkammern
  • elektrische Herzachse
  • PQ-Zeit, QRS-Dauer und QT-Zeit
  • ST-Strecke und T-Wellen
  • Hinweise auf abgelaufene oder akute Herzinfarkte
  • Zeichen einer Herzmuskelverdickung oder -belastung

Herzrhythmusstörungen erkennen

Eine der wichtigsten Aufgaben des Ruhe-EKGs ist die Diagnose von Herzrhythmusstörungen.

Vorhofflimmern lässt sich beispielsweise anhand des fehlenden regelrechten Sinusrhythmus und einer unregelmäßigen Kammeraktion erkennen. Auch Vorhofflattern, Extrasystolen sowie verschiedene Formen von Tachykardien und Bradykardien können diagnostiziert werden.

Darüber hinaus zeigt das EKG Störungen der elektrischen Überleitung, beispielsweise einen AV-Block oder einen Rechts- beziehungsweise Linksschenkelblock.

Eine wichtige Einschränkung muss allerdings berücksichtigt werden: Ein Ruhe-EKG stellt lediglich eine kurze Momentaufnahme dar. Eine nur gelegentlich auftretende Rhythmusstörung kann daher bei einem völlig normalen Ruhe-EKG unentdeckt bleiben. In solchen Fällen kommen Langzeit-EKG oder Ereignisrekorder zum Einsatz.

Welche Bedeutung hat das EKG bei der koronaren Herzkrankheit?

Eine besondere Bedeutung besitzt das EKG bei Patienten mit akuten Brustschmerzen. Veränderungen der ST-Strecke und der T-Welle können auf eine akute Durchblutungsstörung des Herzmuskels hinweisen.

Beim akuten Herzinfarkt kann das 12-Kanal-EKG innerhalb weniger Minuten entscheidende diagnostische Informationen liefern und unmittelbare therapeutische Konsequenzen haben.

Auch ein früher durchgemachter Herzinfarkt kann charakteristische Veränderungen – beispielsweise pathologische Q-Zacken – hinterlassen.

Allerdings gilt auch hier:

Ein normales Ruhe-EKG schließt eine koronare Herzkrankheit nicht aus.

Insbesondere zwischen zwei Angina-pectoris-Episoden kann das Ruhe-EKG vollkommen unauffällig sein. Bei entsprechendem klinischem Verdacht sind deshalb weiterführende Untersuchungen erforderlich.

Hinweise auf strukturelle Herzerkrankungen

Obwohl das EKG keine anatomischen Bilder des Herzens erzeugt, kann es indirekte Hinweise auf strukturelle Veränderungen geben.

Eine Verdickung des Herzmuskels – beispielsweise bei langjährigem Bluthochdruck – kann typische Veränderungen der QRS-Komplexe und der Repolarisation verursachen. Auch bestimmte Herzmuskelerkrankungen, Herzklappenfehler oder eine Belastung des rechten Herzens können charakteristische EKG-Veränderungen hervorrufen.

Die genaue Beurteilung der Herzstruktur erfolgt anschließend insbesondere durch die Echokardiographie.

Medikamente, Elektrolyte und QT-Zeit

Auch Veränderungen des Elektrolythaushaltes können sich im EKG bemerkbar machen. Störungen des Kalium- oder Kalziumhaushaltes können teilweise charakteristische Veränderungen verursachen.

Von besonderer Bedeutung ist außerdem die QT-Zeit. Eine ausgeprägte Verlängerung kann das Risiko gefährlicher ventrikulärer Herzrhythmusstörungen erhöhen. Zahlreiche Medikamente können die QT-Zeit beeinflussen, weshalb das EKG auch zur Therapiekontrolle eingesetzt wird.

Was kann ein normales Ruhe-EKG nicht ausschließen?

Diese Frage ist mindestens genauso wichtig wie die Frage, was das EKG erkennen kann.

Ein unauffälliges Ruhe-EKG bedeutet nicht automatisch, dass das Herz gesund ist. Beispielsweise können trotz normalen EKGs eine koronare Herzkrankheit, intermittierende Herzrhythmusstörungen, Herzklappenfehler oder eine beginnende Herzmuskelerkrankung bestehen.

Das EKG ist deshalb kein isolierter „Gesundheitstest“ des Herzens. Seine Aussagekraft ergibt sich immer aus dem Zusammenhang mit Beschwerden, Krankengeschichte, körperlicher Untersuchung und gegebenenfalls weiteren kardiologischen Untersuchungen.

Mehr als 100 Jahre – und noch immer unverzichtbar

Die Grundlagen des modernen Elektrokardiogramms wurden bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt. Seitdem haben sich die technischen Möglichkeiten der Kardiologie geradezu revolutionär verändert.

Dennoch hat das klassische 12-Kanal-Ruhe-EKG nichts von seiner Bedeutung verloren.

Innerhalb weniger Minuten liefert es Informationen über Herzrhythmus, Erregungsleitung, mögliche Durchblutungsstörungen und zahlreiche weitere Veränderungen des Herzens– nicht invasiv, ohne Strahlenbelastung und praktisch beliebig wiederholbar.

Fazit

Das Ruhe-EKG ist eine der grundlegenden Untersuchungen der modernen Kardiologie. Besonders wertvoll ist es bei der Beurteilung von Herzrhythmusstörungen, Leitungsstörungen und akuten Durchblutungsstörungen des Herzmuskels.

Seine Stärke liegt dabei nicht nur in einzelnen Messwerten, sondern im Gesamtbild und in der Interpretation durch den erfahrenen Untersucher.

Ein auffälliges EKG kann entscheidende diagnostische Hinweise liefern. Ein normales EKG dagegen kann eine Herzerkrankung nicht grundsätzlich ausschließen.

Deshalb bleibt das Ruhe-EKG auch im Zeitalter von Kardio-CT, Kardio-MRT und hochauflösender Echokardiographie ein unverzichtbares diagnostisches Werkzeug der Kardiologie.

jpo