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Neue Klassifikation der Herzinsuffizienz seit Juni 2026

Die NYHA-Klassifikation ist ein 1928 eingeführtes Schema der New York Heart Association. Es teilt Herzerkrankungen, insbesondere die Herzinsuffizienz (Herzschwäche), anhand der auftretenden Beschwerden (Symptome) und der körperlichen Belastbarkeit in vier Schweregrade (Stadien I bis IV) ein

Einordnung der vier Stadien: 

NYHA I: Herzerkrankung ohne körperliche Einschränkung. Alltägliche körperliche Belastungen verursachen keine Beschwerden oder Luftnot.

NYHA II: Leichte Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe, aber bei starker oder alltäglicher körperlicher Belastung treten Erschöpfung oder leichte Atemnot auf. 

NYHA III: Höhergradige Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit. Keine Beschwerden in Ruhe, aber bereits leichte körperliche Aktivitäten (z. B. Gehen auf ebener Strecke) führen zu Symptomen wie Atemnot oder Herzrasen.

NYHA IV: Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten sowie im Ruhezustand. Die Patienten sind oft bettlägerig und jede Bewegung verschlechtert die Symptome.

Die ACC/AHA-Klassifikation (des American College of Cardiology und der American Heart Association) teilt die Herzinsuffizienz in vier fortschreitende Stadien (A bis D). Sie bewertet im Gegensatz zur rein symptomorientierten NYHA-Skala das Fortschreiten der Krankheit und ermöglicht eine frühzeitige stadiengerechte Therapie (Second Universal Definition of Heart Failure, 29.06. 2026).

  • Stadium A: Hohes Risiko für eine Herzinsuffizienz, aber (noch) keine strukturelle Herzerkrankung oder Symptome (z. B. bei Bluthochdruck, Diabetes).
  • Stadium B: Strukturelle Herzerkrankung vorhanden, aber bisher keine Beschwerden/Symptome (z. B. nachgewiesenem asymptomatischem Herzinfarkt). 
  • Stadium C: Strukturelle Herzerkrankung und aktuelle oder frühere Symptome einer Herzinsuffizienz (wie Atemnot oder Ödeme). 
  • Stadium D: Fortgeschrittene, therapierefraktäre Herzinsuffizienz, die spezielle Interventionen (z. B. Transplantation oder Pumpen) erfordert.

Die NYHA-Klassifikation behält auch neben der ACC/AHA-Stadieneinteilung (Stufen A–D) ihre zentrale Rolle als dynamisches Instrument zur Erfassung der aktuellen Symptome und funktionellen Einschränkungen im Alltag.

Während die Stufen A–D den strukturellen und zeitlichen Krankheitsverlauf (die Krankheitslast) abbilden, beschreibt NYHA die tagesaktuelle Verfassung des Patienten. 

Der Unterschied: Verlauf vs. Zustand

  • ACC/AHA-Stufen (A bis D): Bilden eine Einbahnstraße ab. Sobald ein Patient strukturelle Schäden (B) oder Symptome (C) entwickelt hat, kann er in dieser Klassifikation nicht mehr zurückgestuft werden – selbst wenn er unter Medikamenten beschwerdefrei wird.
  • NYHA-Klassifikation (I bis IV): Ist vollkommen flexibel. Ein Patient in der strukturellen Stufe C kann durch eine optimale Therapie von schweren Symptomen (NYHA III oder IV) wieder komplett symptomfrei werden und in NYHA I zurückfallen.

Das Zusammenspiel beider Systeme

In der medizinischen Praxis werden beide Systeme kombiniert, um ein vollständiges Bild für die Therapieplanung zu erhalten:

ACC/AHA-Stufe (Struktur & Verlauf)Mögliche NYHA-Klasse (Aktuelle Symptomatik)Klinische Bedeutung & Zuordnung
Stadium A (Hohes Risiko, kein struktureller Schaden)Keine Angabe (Nicht anwendbar)Patienten mit Hypertonie oder Diabetes ohne Herzveränderung.
Stadium B (Prä-Herzinsuffizienz, struktureller Schaden vorhanden)NYHA I (Vollkommen symptomfrei)Asymptomatische Patienten, z. B. nach einem Herzinfarkt oder mit verminderter Auswurffraktion (EF).
Stadium C (Manifeste Herzinsuffizienz mit Symptomen in der Historie)NYHA I, II, III oder IVDer Patient hat oder hatte Symptome. Die NYHA-Klasse zeigt, wie gut er aktuell medikamentös eingestellt ist.
Stadium D (Fortgeschrittene, therapierefraktäre Herzinsuffizienz)

Ein modernen Arztbrief solte künftig folgende Struktur haben:

1. Diagnose

Zunächst die eigentliche Diagnose, beispielsweise:

  • Chronische Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF)
  • Chronische Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF)
  • Herzinsuffizienz mit verbesserter Ejektionsfraktion (HFimpEF)

Die neue Definition empfiehlt bewusst diese klinisch orientierten Kategorien anstelle einer ausschließlichen Einteilung nach starren EF-Grenzen.  

2. Stadium nach AHA/ACC/ESC/WHF

Anschließend sollte das Krankheitsstadium angegeben werden:

  • Stage A – erhöhtes Risiko
  • Stage B (pre-HF) – strukturelle Herzerkrankung oder Biomarkerveränderung ohne Symptome
  • Stage C – symptomatische Herzinsuffizienz
  • Stage D – fortgeschrittene Herzinsuffizienz

Gerade Stage B (pre-HF) wird künftig wesentlich stärker betont.  

3. Funktioneller Status

Der NYHA-Status bleibt unverzichtbar.

Zum Beispiel:

  • NYHA I
  • NYHA II
  • NYHA III
  • NYHA IV

Die NYHA-Klassifikation beschreibt weiterhin die aktuelle Belastbarkeit des Patienten und hat unverändert einen hohen prognostischen Wert.

4. Rhythmusstatus

Bei Vorhofflimmern würde ich zusätzlich den EHRA-Score angeben.

Zum Beispiel:

  • Vorhofflimmern, EHRA IIb
  • Vorhofflimmern, EHRA III

Der EHRA-Score beschreibt die Symptomatik des Vorhofflimmerns und ergänzt den NYHA-Status sinnvoll, da Luftnot sowohl durch die Herzinsuffizienz als auch durch das Vorhofflimmern verursacht sein kann.

5. Ätiologie

Künftig wird empfohlen, die Ursache der Herzinsuffizienz deutlicher hervorzuheben.

Zum Beispiel:

  • ischämische Kardiomyopathie
  • hypertensive Herzerkrankung
  • dilatative Kardiomyopathie
  • hypertrophe Kardiomyopathie
  • valvuläre Genese
  • Amyloidose
  • Tachykardiomyopathie

Die neue Universal Definition legt ausdrücklich Wert auf eine standardisierte Angabe der Ursache.  

6. Aktueller Verlauf

Hilfreich ist außerdem eine Angabe zum Krankheitsverlauf, beispielsweise:

  • stabil
  • dekompensiert
  • gebessert
  • in Remission
  • mit verbesserter EF

Auch dies ist eine Neuerung der 2026er Definition, die Herzinsuffizienz als dynamischen Prozess versteht.  

So würde man heute einen Arztbrief formulieren

Chronische Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) bei ischämischer Kardiomyopathie, Stage C, NYHA II, LVEF 32 %, aktuell klinisch kompensiert. Begleitendes persistierendes Vorhofflimmern, EHRA IIb.

Oder bei HFpEF:

Chronische Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) bei hypertensiver Herzerkrankung, Stage C, NYHA II, LVEF 58 %, NT-proBNP erhöht, echokardiographisch diastolische Dysfunktion Grad II.

Mein Eindruck als Kardiologe

Ich halte diese Entwicklung für sehr sinnvoll. In den vergangenen Jahren wurde die Diagnose oft auf „HFrEF, EF 35 %, NYHA II“ reduziert. Tatsächlich beschreibt das den Patienten aber nur unvollständig.

Eine moderne Herzinsuffizienzdiagnose sollte künftig mindestens sechs Dimensionen enthalten:

  1. Phänotyp (HFrEF/HFpEF/HFimpEF)
  2. Stadium (A–D)
  3. NYHA-Klasse
  4. Ätiologie
  5. Verlauf (stabil, gebessert, dekompensiert, Remission)
  6. Begleiterkrankungen, insbesondere Vorhofflimmern mit EHRA-Klassifikation

jpo