Was ist eigentlich eine Herzinsuffizienz?
Herzinsuffizienz – wenn die Leistungsfähigkeit des Herzens nachlässt
Die Herzinsuffizienz, umgangssprachlich häufig als Herzschwäche bezeichnet, ist eine Erkrankung, bei der das Herz aufgrund einer strukturellen oder funktionellen Störung seine Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen kann.
Das Herz kann dabei entweder nicht mehr genügend Blut in den Kreislauf pumpen oder sich nur noch unter erhöhtem Druck mit Blut füllen. In beiden Fällen kann die Versorgung des Körpers insbesondere unter körperlicher Belastung beeinträchtigt sein. Gleichzeitig kann es zu einem Rückstau von Blut und Flüssigkeit in die Lunge oder den Körper kommen.
Welche Beschwerden können auftreten?
Die Beschwerden einer Herzinsuffizienz entwickeln sich häufig schleichend und werden deshalb zunächst nicht immer als Zeichen einer Herzerkrankung erkannt.
Typische Beschwerden sind:
- zunehmende Luftnot bei körperlicher Belastung
- nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit
- ungewöhnlich schnelle Erschöpfung
- Luftnot beim Treppensteigen oder Bergaufgehen
- nächtliche Luftnot oder vermehrtes Schlafen mit erhöhtem Oberkörper
- Flüssigkeitseinlagerungen an den Unterschenkeln und Knöcheln
- rasche Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen
Bei einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz kann Luftnot bereits bei geringer Belastung oder sogar in Ruhe auftreten.
Welche Bedeutung hat die Ejektionsfraktion?
Ein wichtiger Messwert zur Beurteilung der Herzfunktion ist die Ejektionsfraktion, kurz EF. Sie wird in der Regel im Rahmen einer Herzultraschalluntersuchung bestimmt.
Die Ejektionsfraktion beschreibt, welcher Anteil des in der linken Herzkammer befindlichen Blutes während eines Herzschlags ausgeworfen wird.
Eine normale Ejektionsfraktion liegt meist oberhalb von etwa 50 bis 55 Prozent. Eine Ejektionsfraktion unter 50 Prozent ist in der Regel nicht mehr als normal anzusehen.
Die Ejektionsfraktion allein entscheidet jedoch nicht darüber, ob eine Herzinsuffizienz vorliegt.
Eine eingeschränkte Pumpfunktion des Herzens kann bestehen, ohne dass bereits Beschwerden oder klinische Zeichen einer Herzinsuffizienz vorhanden sind. Umgekehrt kann eine Herzinsuffizienz auch bei normaler Ejektionsfraktion auftreten.
Herzinsuffizienz trotz normaler Pumpfunktion
Bei der Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion – der sogenannten HFpEF – ist die eigentliche Pumpkraft des Herzens weitgehend erhalten.
Der Herzmuskel kann sich jedoch häufig nicht mehr ausreichend entspannen. Die linke Herzkammer füllt sich deshalb nur unter erhöhtem Druck mit Blut. Diese erhöhten Druckverhältnisse können sich bis in die Lunge zurückstauen und insbesondere bei körperlicher Belastung zu Luftnot führen.
Eine normale Ejektionsfraktion schließt eine Herzinsuffizienz daher nicht aus.
Wie wird eine Herzinsuffizienz diagnostiziert?
Die Diagnose einer Herzinsuffizienz ergibt sich immer aus der Gesamtbeurteilung des Patienten. Neben den Beschwerden und der körperlichen Untersuchung stehen verschiedene kardiologische Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Hierzu gehören insbesondere:
- die Echokardiographie zur Beurteilung der Herzstruktur und Herzfunktion
- das Ruhe-EKG zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen und anderen kardialen Veränderungen
- die Bestimmung von BNP oder NT-proBNP als Laborparameter einer erhöhten Herzbelastung
- die Spiroergometrie zur objektiven Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit und zur Differenzierung einer kardialen oder pulmonalen Ursache der Luftnot
- bei speziellen Fragestellungen weiterführende Untersuchungen wie Cardio-CT, Cardio-MRT oder eine Herzkatheteruntersuchung
Warum ist eine frühzeitige Diagnose wichtig?
Eine Herzinsuffizienz ist heute in vielen Fällen sehr gut behandelbar. Moderne Medikamente und gezielte kardiologische Therapieverfahren können Beschwerden vermindern, die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern und das Risiko für Krankenhausaufenthalte und schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse deutlich reduzieren.
Entscheidend ist, die Ursache und die Form der Herzinsuffizienz möglichst frühzeitig zu erkennen.
Eine nachlassende Belastbarkeit oder zunehmende Luftnot sollte deshalb insbesondere bei Patienten mit Bluthochdruck, koronarer Herzerkrankung, Herzklappenerkrankungen, Herzrhythmusstörungen oder anderen bekannten Herzerkrankungen kardiologisch abgeklärt werden.
jpo