Kontrolle von Herzschrittmachern, implantierbaren Defibrillatoren (ICD/„Defi“) und CRT-Systemen
Die Kontrolle von Herzschrittmachern, implantierbaren Defibrillatoren (ICD/„Defi“) und CRT-Systemen gehört zu den wichtigsten Aufgaben in der Kardiologie. Ziel ist es, die Funktion des Systems zu überprüfen, Fehlfunktionen früh zu erkennen und die Therapie optimal einzustellen.
Dabei unterscheidet man:
- Herzschrittmacher = Rhythmusstützung bei zu langsamem Herzschlag
- ICD (implantierbarer Kardioverter-Defibrillator) = Schutz vor lebensgefährlichen Rhythmusstörungen
- CRT-Systeme (cardiale Resynchronisationstherapie) = spezielle biventrikuläre Schrittmacher/ICD-Systeme bei Herzschwäche und Erregungsleitungsstörung
Wie läuft eine Kontrolle praktisch ab?
1. Anamnese und klinische Beurteilung
Zunächst fragt man nach Beschwerden:
- Schwindel
- Synkopen
- Herzstolpern
- Luftnot
- Belastbarkeit
- ICD-Schocks
- Schmerzen oder Rötung an der Aggregattasche
Außerdem kontrolliert man:
- Puls
- Blutdruck
- EKG
- ggf. Zeichen einer Herzinsuffizienz
2. Telemetrische Abfrage des Geräts
Die eigentliche Kontrolle erfolgt mit einem speziellen Programmiergerät („Programmer“).
Der Arzt oder die Schrittmacherassistenz legt einen Telemetriekopf oder nutzt Funkverbindung über dem Aggregat auf der Brust.
Das implantierte System sendet dann seine Daten an den Computer.
Dabei werden zahlreiche Parameter überprüft.
Was wird kontrolliert?
A) Batteriestatus
Sehr wichtig ist die Restlaufzeit der Batterie.
Man überprüft:
- Spannung
- Impedanz
- geschätzte Restlaufzeit
- elective replacement indicator (ERI)
- end of life (EOL)
Moderne Systeme halten meist:
- Schrittmacher: etwa 8–15 Jahre
- ICD/CRT-D: oft 5–10 Jahre
B) Elektrodenfunktion
Die Sonden werden elektrisch geprüft.
Wichtige Werte:
Sondenimpedanz
Sie zeigt, ob Kabelbruch oder Isolationsdefekt vorliegen könnten.
Zu niedrige oder zu hohe Werte sind verdächtig.
Wahrnehmung („Sensing“)
Das Gerät muss die Eigenaktivität des Herzens korrekt erkennen.
Gemessen werden:
- P-Wellen im Vorhof
- R-Wellen im Ventrikel
Reizschwelle („Pacing threshold“)
Hier prüft man:
Wie viel Strom braucht das Herz mindestens, damit eine sichere Kontraktion ausgelöst wird?
Je niedriger die Schwelle, desto besser und batteriesparender.
3. Analyse gespeicherter Ereignisse
Das Gerät speichert Herzrhythmusstörungen.
Zum Beispiel:
- Vorhofflimmern
- ventrikuläre Tachykardien
- Kammerflimmern
- Bradykardien
- Pausen
- ICD-Schocks
Man kann exakt sehen:
- Zeitpunkt
- Dauer
- Frequenz
- Therapieabgaben
Beim ICD wird besonders geprüft, ob Schocks angemessen oder unangemessen waren.
4. Prüfung der Stimulation
Beim Herzschrittmacher
Man kontrolliert:
- Wie häufig stimuliert wird
- ob Eigenrhythmus vorhanden ist
- ob die Programmierung sinnvoll ist
Zum Beispiel:
- Grundfrequenz
- AV-Zeit
- Sensorfunktion
- Frequenzadaptation
Beim CRT-System
Hier ist besonders wichtig:
Biventrikuläre Stimulationsrate
Sie sollte meist über 95–98 % liegen.
Nur dann verbessert CRT die Pumpfunktion effektiv.
Man kontrolliert außerdem:
- Synchronität
- AV-Optimierung
- VV-Optimierung
- Auftreten von Vorhofflimmern
5. ICD-spezifische Kontrolle
Beim ICD prüft man zusätzlich:
- Erkennung ventrikulärer Tachykardien
- programmierte Therapiegrenzen
- antitachykarde Stimulation (ATP)
- Schockzonen
- abgegebene Schocks
Früher wurde teilweise eine Defibrillationstestung durchgeführt. Heute geschieht das nur noch selektiv.
6. Umprogrammierung
Bei Bedarf werden Einstellungen angepasst:
Zum Beispiel:
- Stimulationsfrequenz
- Sensitivität
- AV-Delay
- CRT-Optimierung
- ICD-Therapiezonen
Ziel:
- bessere Symptome
- längere Batterielaufzeit
- weniger unnötige Schocks
- optimale Herzinsuffizienztherapie
7. Dokumentation
Nach jeder Kontrolle erhält der Patient meist:
- einen Kontrollbericht
- aktualisierte Gerätedaten
- Termin zur nächsten Kontrolle
Wie oft werden Kontrollen gemacht?
Typischerweise:
- kurz nach Implantation
- nach 3 Monaten
- danach alle 6–12 Monate
Bei ICD und CRT oft häufiger.
Zusätzlich existiert heute häufig:
Telemonitoring / Fernüberwachung
Das Gerät sendet automatisch Daten von zuhause an die Klinik/Praxis.
Dadurch erkennt man früh:
- Rhythmusstörungen
- Batterieprobleme
- Sondendefekte
- Verschlechterung der Herzinsuffizienz
Das hat die Sicherheit deutlich verbessert.
Wer führt die Kontrollen durch?
In spezialisierten kardiologischen Praxen oder Kliniken:
- Kardiologen mit Device-Erfahrung
- speziell geschulte Schrittmacherassistenten
- Rhythmologen / Elektrophysiologen