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Albertuszentrum

Belastungs-EKG – braucht man das überhaupt noch?

Das Belastungs-EKG hat heute einen deutlich geringeren diagnostischen Stellenwert als noch vor 20–30 Jahren, wird aber weiterhin eingesetzt — allerdings selektiver und mit klaren Grenzen.

Früher:

  • Das Belastungs-EKG war die Standarduntersuchung bei Verdacht auf koronare Herzkrankheit (KHK).
  • Man suchte belastungsabhängige ST-Streckensenkungen als Zeichen einer Myokardischämie.

Heute weiß man:

Die diagnostische Genauigkeit ist nur mäßig.

Typische Leistungsdaten:

  • Sensitivität etwa 60–70 %
  • Spezifität etwa 70–80 %

Das bedeutet:

  • Viele falsch-positive Befunde
    → besonders bei Frauen, Hypertonie, Schenkelblock etc.
  • Viele falsch-negative Befunde
    → relevante KHK trotz unauffälligem Belastungs-EKG

Deshalb wurde das Belastungs-EKG in vielen Leitlinien von bildgebenden Verfahren verdrängt.

Heute bevorzugte Verfahren bei KHK-Verdacht:

  • Stress-Echokardiographie
  • Myokardszintigraphie
  • Stress-MRT
  • Cardio-CT

Diese Verfahren erkennen Ischämien oder Koronarstenosen deutlich präziser.

Trotzdem hat das Belastungs-EKG weiterhin wichtige Aufgaben:

  1. Belastbarkeit und Prognose
  • Wie viele Watt erreicht der Patient?
  • Blutdruckverhalten?
  • Herzfrequenzanstieg?
  • Auftreten von Arrhythmien?

Die erreichte körperliche Leistungsfähigkeit ist prognostisch extrem wichtig.

  1. Rhythmusdiagnostik unter Belastung
  • Belastungsinduzierte Arrhythmien
  • Frequenzverhalten bei Vorhofflimmern
  • Belastungsabhängige AV-Blockierungen
  1. Verlaufskontrollen
  • Nach Herzinfarkt
  • Nach Revaskularisation
  • In der Sportkardiologie
  • Rehabilitation
  1. Wenn moderne Bildgebung nicht verfügbar oder nicht sinnvoll ist
  • einfache Erstabklärung bei Niedrigrisiko-Patienten
  • geringe Kosten
  • hohe Verfügbarkeit

Wann das Belastungs-EKG besonders wenig hilfreich ist:

  • Frauen mittleren Alters
  • vorbestehende EKG-Veränderungen
    • Linksschenkelblock
    • Schrittmacher
    • WPW
    • Digoxin-Effekt
  • geringe Belastbarkeit
  • hoher klinischer Verdacht auf KHK

Dann ist moderne Bildgebung klar überlegen.

Zusammenfassend:

Das Belastungs-EKG ist heute weniger ein präziser „KHK-Test“, sondern eher:

  • ein funktioneller Belastungstest,
  • ein Prognoseinstrument,
  • und ein Rhythmustest unter Belastung.

Für die reine Diagnostik einer koronaren Herzerkrankung ist die moderne Bildgebung meist überlegen.

jpo