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Albertuszentrum

Cardio-CT – wann ist es sinnvoll, wann ist es nützlich?

Ein Cardio-CT kann bei manchen beschwerdefreien Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko sinnvoll sein — aber nicht als generelles Screening für alle. Entscheidend ist, welches CT gemeint ist und wie hoch das individuelle Risiko ist.

Man unterscheidet hauptsächlich:

  1. Koronarkalk-CT (Calcium Score / CAC-Score)
  2. CT-Koronarangiographie (CCTA) mit Kontrastmittel

1. Koronarkalk-CT: oft sinnvoll bei unklarer Risikosituation

Das Koronarkalk-CT misst Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen. Diese sind ein Marker für Atherosklerose.

Besonders sinnvoll bei:

  • erhöhtem LDL-Cholesterin
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Rauchen
  • familiärer Belastung
  • Männern ab etwa 45–50 Jahren
  • Frauen ab etwa 55 Jahren
  • unklarer Entscheidung über Statine

Der größte Nutzen:

  • bessere Abschätzung des tatsächlichen Herzinfarktrisikos
  • Entscheidungshilfe, ob aggressive Prävention sinnvoll ist

Interpretation des Calcium Scores

  • 0 Punkte: sehr niedriges Risiko in den nächsten Jahren
  • 1–99: leichte Plaque
  • 100–399: deutlich erhöhtes Risiko
  • >400: hohes Risiko

Ein hoher Score korreliert stark mit Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.

Vorteile

  • schnell
  • kein Katheter
  • wenig Strahlung
  • kein Kontrastmittel nötig

Nachteile

  • entdeckt nur verkalkte Plaques
  • keine direkte Aussage über Engstellen
  • kann zu unnötiger Sorge oder weiteren Untersuchungen führen

2. CT-Koronarangiographie: eher nicht als Routine-Screening

Die CT-Koronarangiographie zeigt die Herzkranzgefäße detailliert mit Kontrastmittel.

Bei beschwerdefreien Personen wird sie normalerweise nicht routinemäßig empfohlen, weil:

  • viele Zufallsbefunde entstehen
  • unnötige invasive Herzkatheter folgen können
  • Strahlen- und Kontrastmittelbelastung höher sind
  • nicht jede gefundene Verengung klinisch relevant ist

Sie ist eher sinnvoll:

  • bei Brustschmerzen
  • unklaren Belastungstests
  • Verdacht auf koronare Herzkrankheit

Was sagen Leitlinien?

Internationale Leitlinien sehen den Calcium-Score zunehmend positiv bei Menschen mit mittlerem Risiko, wenn unklar ist:

  • wie aggressiv behandelt werden soll,
  • oder ob Statine notwendig sind.

Die European Society of Cardiology und amerikanische Leitlinien nutzen den CAC-Score zunehmend zur Risikostratifizierung.

Für wen ist ein Cardio-CT eher nicht sinnvoll?

Weniger sinnvoll bei:

  • jungen Menschen ohne Risikofaktoren
  • bereits bekannter schwerer Gefäßerkrankung
  • eindeutig hohem Risiko, bei dem ohnehin behandelt werden muss
  • Menschen mit starker Angstneigung bezüglich Zufallsbefunden

Praktisches Fazit

Bei beschwerdefreien Menschen mit mehreren Risikofaktoren kann ein Koronarkalk-CT durchaus sinnvoll sein, insbesondere:

  • zur genaueren Risikoabschätzung,
  • zur Entscheidung über Statine,
  • und zur Motivation für Lebensstiländerungen.

Die CT-Koronarangiographie hingegen ist als allgemeines Screening meist nicht sinnvoll.

Besonders interessant ist:

Ein Calcium-Score von 0 hat eine erstaunlich hohe Aussagekraft — viele Menschen mit Risikofaktoren haben dann trotzdem kurzfristig ein niedriges Herzinfarktrisiko.

jpo