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Herzgesunde Ernährung: Nahrungsergänzungsmittel – Sinn und Unsinn

Die Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln auf das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ist insgesamt deutlich geringer, als viele Werbeaussagen vermuten lassen. Für die meisten Präparate gibt es keinen überzeugenden Nachweis, dass sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern. Einige wenige Substanzen zeigen jedoch unter bestimmten Bedingungen einen Nutzen.

Was die Studienlage insgesamt zeigt

Große Übersichtsarbeiten und Leitlinien kommen zu dem Ergebnis, dass die meisten Vitamin- und Mineralstoffpräparate das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht relevant senken. 

Dazu gehören unter anderem:

  • Multivitaminpräparate
  • Vitamin D
  • Vitamin C
  • Vitamin E
  • Selen
  • Beta-Carotin

Bei manchen Präparaten kann eine hochdosierte Einnahme sogar Nachteile haben.

Nahrungsergänzungsmittel mit möglichem Nutzen

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA aus Fischöl) sind am besten untersucht.

Mögliche Wirkungen:

  • leichte Senkung der Triglyzeride
  • Hemmung von Entzündungen
  • geringere Verklumpung der Blutplättchen
  • leichte Blutdrucksenkung

Einige Studien zeigen eine Reduktion von Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiken, insbesondere:

  • bei Patienten mit erhöhten Triglyzeriden
  • bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung
  • in Kombination mit Statinen
  • bei hochdosiertem reinem EPA  

Die bekannteste Studie ist REDUCE-IT:

  • etwa 25 % weniger schwere kardiovaskuläre Ereignisse unter hochdosiertem EPA.  

Aber:

  • normale Fischölkapseln aus dem Drogeriemarkt zeigen oft keinen klaren Effekt
  • hohe Dosen können das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen  

Folsäure

Folsäure kann das Schlaganfallrisiko etwas senken, insbesondere bei Menschen mit:

  • erhöhtem Homocystein
  • Folsäuremangel
  • geringer natürlicher Folatzufuhr

Der Effekt ist eher moderat. 

Präparate ohne klaren Nutzen

Vitamin D

Vitamin-D-Präparate zeigen in großen Studien:

  • keine relevante Senkung von Herzinfarkt
  • keine relevante Senkung von Schlaganfall
  • keinen klaren Vorteil für die Herzsterblichkeit  

Vitamin D ist trotzdem wichtig bei nachgewiesenem Mangel — aber nicht als allgemeiner Herzschutz.

Antioxidantien

Vitamin E, Beta-Carotin oder ähnliche Antioxidantien konnten Herzinfarkte nicht zuverlässig verhindern. Teilweise zeigten Studien sogar Nachteile bei hohen Dosierungen. 

Viel wichtiger als Nahrungsergänzungsmittel

Der Einfluss folgender Maßnahmen ist deutlich stärker als der von Supplementen:

  • Nichtrauchen
  • Blutdruckkontrolle
  • mediterrane Ernährung
  • Bewegung
  • Gewichtsreduktion
  • guter Schlaf
  • Behandlung von Diabetes
  • LDL-Cholesterinsenkung (z. B. Statine)

Die mediterrane Ernährung konnte in Studien schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um etwa 30 % senken. 

Praktisches Fazit

  • Die meisten Nahrungsergänzungsmittel schützen nicht zuverlässig vor Herzinfarkt oder Schlaganfall.
  • Am ehesten sinnvoll können sein:
    • Omega-3-Fettsäuren bei bestimmten Risikopatienten
    • Folsäure bei erhöhtem Homocystein oder Mangel
  • Vitaminpräparate „auf Verdacht“ bringen meist keinen Nutzen.
  • Eine gute Ernährung wirkt wesentlich stärker als Tabletten.

jpo